Euro - es wird immer ernster
Samstag, 24. April 2010 22:48:00
Situation der Griechen und der EU
Seit Freitag steht es fest – die ganze Versprechen und Aussagen der Politiker sind zum Thema Griechenland hinfällig.
Finanzminister – Wolfgang Schäuble am 22. April 2010
• „Ich rechne nicht damit, dass Griechenland Hilfen der Eurozone und des IWF bis Mitte Mai abruft.“
Wir haben Ende April und unser Finanzminister kann wieder einmal nicht rechnen…
Vizeregierungssprecher Christoph Steeger am 12. April 2010
• „Dass jetzt ein Feuerlöscher an der Wand hängt, sagt überhaupt nichts über die Wahrscheinlichkeit eines Brandes aus.“
Stimmt – denn da brannte es schon lichterloh, nur offensichtlich war es für die Politiker Lagerfeuer Romantik aus ihrer Pfadfinderzeit.
Griechenlands Premierminister G. Papandreu am 26. März 2010
• „Wir sind jetzt auf einem viel besseren Weg.“
Stimmt – er wusste schon damals das Ziel sogar!
Genauso wie damals sagte jetzt der Finanzminister aus Griechenland sehr knapp und bündig:
„Sehr geehrte Herren,
in Übereinstimmung mit der Erklärung der Staats- und Regierungschefs vom 25. März 2010, finanzielle Hilfe für Griechenland wenn nötig bereit zu stellen, und der darauf folgenden Erklärung der Eurogruppe, bittet Griechenland hiermit um die Aktivierung des Hilfsmechanismus.“
Was bedeutet das nun?
Deutschland wird rund ein Drittel – 8,4 Mrd. Euro - der Summe aufbringen müssen. Nicht sofort, doch wenn alle Papierbedingungen erfüllt wurden, in ungefähr zwei bis drei Wochen. Die staatseigende KfW-Bank wird sich dazu das Kapital zu rund 3% am freien Kapitalmarkt leihen. Von den Griechen erhalten sie dann einen Zins von 6%. Knappe 100% Gewinn, wenn Griechenland in der Lage bleibt, diesen Kredit zurückzuzahlen. Einige Analysten rechnen aber mit einem Kreditbedarf für die nächsten drei Jahre von 30 Mrd. Euro!
In den Bond und Credit-Märkten kam es in dieser Woche fast zu panischen Aktionen der Händler. Innerhalb nur weniger Stunden stieg der Spread bis auf 80 Basispunkten (BP) an. In der Spitze wurde die Spreads mit 620 BP gemessen. Anders ausgedrückt, die Wahrscheinlichkeit das Griechenland in den nächsten 5 Jahren diese Kredite nicht zurück zahlen kann, liegt bei sage und schreibe 41 Prozent! Wenn man nicht alles verstanden hat, doch dann dies mit den 41 Prozent!
Für eine 10-jährige griechische Staatsanleihe wurden am Markt zu Kursen um die 10,9 Prozent gehandelt! Doch dies betraf nicht nur die Griechen – auch die Anleihen aus Portugal, Irland und Spanien kamen unter die Räder.
Die Analysten rechnen also mit einem höheren Kreditbedarf der Griechen. Fakt ist aber, der vertrag von Maastrich sieht eine solche Unterstützung gar nicht vor!
Sollte dieser Ansicht nun auch das Bundesverfassungsgericht teilen – die Klage wird vom ehemaligen Tübinger Professor Starbatty gerade eingereicht – dann müsste Deutschland aus der EU austreten. Damit wäre der Euro nur noch eine Randbemerkung in der Finanzgeschichte!
Situation um den Euro
Am Freitag wurde der Euro zu 1,32 gehandelt, stieg danach aber wieder nach oben auf über 1,33. Der Druck wird nun nicht vom Euro genommen, wenn die 45 Mrd. Euro in Richtung Griechenland fließen. Die Gefahr, dass nun auch noch Portugal oder gar Spanien in Geldnöten gerät ist sehr groß.
Das nächste Kursziel sind jetzt ganz deutlich die 1,30 und die 1,28 aus dem Jahr 2009 sind als Unterstützungsmarke auch nicht so weit weg. Langfristig sind die 1,23 noch unglaubwürdig, doch diese Zahl stand im Herbst 2008 auf den Kurszetteln der Händler.
Schon lange setzen die Hedge Fonds auf diesen Abwärtstrend und haben die Druck nur erhöht. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie jetzt ihre Strategie ändern wollen, denn der Trend nach unten ist intakt. Doch nun folgen auch immer mehr private Investoren diesen Abwärtstrend und streuen damit nur noch mehr Salz in die offene Wunde.
Fazit: Egal welche positiven Zahlen jetzt veröffentlicht werden, die aktuelle Not ist zu groß und das Vertrauen der Händler in den Euro und in die Fähigkeiten der Griechen sich selbst zu retten – liegt fast bei null.
„The trend is your friend!“
Alternative ist das Gold - das hat nun am Freitag über die so wichtige Marke von 1.150 USD den Handel beendet - eine klare Reaktion auf den Euro!
Es macht Sinn Gold zu kaufen, gerade dann wenn man mit den Euro bezahlen muss oder kann. Eines ist doch gewiss - das Gold kann nicht pleite gehen - beim Euro bin ich mir da nicht so sicher!
Mike C. Kock
für FXCM Research
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