Gold: Eine Blase kurz vor dem Platzen? - Gastanalyse von FXCM
Freitag, 23. Juli 2010 15:49:00
Freitag, 25. Juni 2010 23:34 GMT | Verfasser: Ilya Spivak und Joel Kruger
Im Lauf der letzten zehn Jahre kletterte Gold stetig nach oben. Nur die Gründe, warum Anleger das gelbe Edelmetall wollten, änderten sich dabei. Mit Blick auf die Zukunft legen Fundamental- wie technische Analysen jedoch nahe, dass schon bald eine drastische Kehrtwende zu erwarten ist.
FUNDAMENTALPROGNOSE FÜR DIE NÄCHSTEN 6 MONATE – GOLD Tatsächliche Goldbestände und Nachfrage drücken Preise
Die Trends in der Nachfrage nach dem eigentlichen Edelmetall haben eindeutig an Glanz verloren, liegt Gold für die Fertigung von Schmuck sowie für Anwendungen in der Industrie und Zahnheilkunde doch deutlich niedriger (Ersteres seit mehr als zehn Jahren und Letzteres seit mindestens drei Jahren). Das Angebot dagegen scheint größer geworden zu sein. In der Tat stieg die Produktion in den Minen nach einem mehrjährigen Abwärtstrend zum ersten Mal seit rund sieben Jahren. Des Weiteren ist Altgold wie Schmuck, der wegen seines Metallgehalts eingeschmolzen wird, ebenfalls im Steigen begriffen. Wenn Realfaktoren die einzigen Triebkräfte auf dem Markt wären, dann hätte der Goldpreis im Lauf der letzten Jahre aufgrund der sinkenden Nachfrage und des steigenden Angebots sinken müssen.
Investmentnachfrage treibt Goldpreis als stärkste Kraft nach oben
Natürlich sieht die Wirklichkeit ganz anders aus als das, was man angesichts von Angebot und Nachfrage erwarten würde, und so erreichte der Goldpreis dieses Jahr Höchstwerte. Es hat somit allen Anschein, dass die Investmentnachfrage hinter der spektakulären Wertentwicklung des Edelmetalls steckt, wobei Einzelhandelskunden einen erheblichen Beitrag zum Anstieg der Preise leisten. Die Muster hinter der Investmentnachfrage und ihrer Wechselbeziehung mit dem Spot-Preis lassen jedoch vermuten, dass der in den letzten zehn Jahren verzeichnete Kursanstieg immer anfälliger wird. Indexfonds (ETFs – Exchange Traded Funds) sind ein zunehmend attraktives Vehikel für Gold, da sie im Vergleich zum tatsächlichen Kauf von Goldbarren so einfach zu handhaben sind; so steht denn das „Soft Investment“ auch kurz davor, erstmals sein Gegenstück zu überflügeln. Indexfonds machen den Goldkauf zwar vergleichsweise einfach, erleichtern aber auch die Liquidation der Anlage; damit wird gleichzeitig der Preisrückgang heftiger ausfallen, wenn die Stimmung der Händler umschlägt. Was noch mehr Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass der Wertzuwachs von Gold die Triebkraft der Nachfrage ist – also genau das Gegenteil davon, was man normalerweise erwarten würde. In der Tat geben lineare Regressionsstudien Anlass zur Annahme, dass volle 89 Prozent der Schwankungen im Spot-Preis für Gold durch Schwankungen in den Holdings des SPDR Goldshare ETF (GLD), dem führenden Indexfonds, der das Metall nachbildet, zu erklären sind.
Gold: Eine Blase kurz vor dem Platzen?
Da die reale Angebots-/Nachfragesituation die Preise nach unten drückt, kann Gold wohl nur durch eine robuste Zunahme des Anlegerinteresses weiter steigen. Der Preisanstieg wurde jedoch zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, da Gold aufgrund seines steten Zuwachses für die Anleger reizvoll ist. Das lässt die Tür offen für eine entschiedene Umkehr, sobald sich ein bedeutsamer Rückschlag auch nur von Ferne abzeichnet; so ein Szenario wird denn auch umso dramatischer ausfallen, weil Indexfonds als Vehikel für Goldanlagen so beliebt sind.
Und woher könnten solche Rückschläge kommen?
Wenn man sich die jüngsten Schlagzeilen über den Reiz von Gold ansieht, so hat die Geschichte wohl mit Inflationserwartungen zu tun. Im Laufe von 2009 bildete der Goldpreis trotz allgemeiner Bedenken, dass die Nullzinspolitik das Papiergeld verdirbt, eng die Breakeven-Kurse in den USA nach (der Spread zwischen Erträgen auf reguläre US-Anleihen mit 10-jähriger Laufzeit und solchen mit Inflationsindex wird als Messwert für die Kurserwartungen der Anleger herangezogen). Das Metall ist seit jeher ein Wertbegriff und war attraktiv, als Zentralbanken in aller Welt sich auf das „Gelddrucken“ verlegten – eine Politik, die, wie damals vielerorts befürchtet wurde, zu rasender Inflation führen würde.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, ist jedoch äußerst gering. Wenn man sich zur Orientierung die USA als Testfall ansieht, dann ist das Geld, das durch die Liquiditätsspritzen der Federal Reserve geschaffen wurde, eine Funktion des Geldmultiplikators, ein Verhältnis, das die Gesamtwirkung einer Einlage im Bankensystem misst, nachdem das Geld auf seinem Weg durch das Bankensystem durch Verleihen und Entleihen expandiert. Das Büro der Notenbank in St. Louis veröffentlichte Daten, denen zufolge der Geldmultiplikator sich derzeit um 0,8 bewegt – der niedrigste Stand seit mehr als 25 Jahren. Das bedeutet, dass für jeden Dollar, der durch Nullzinspolitik geschaffen wurde, nur 80 Cent in Umlauf gelangen. Darüber hinaus ist die von der Fed angelegte Messzahl für die Geldumlaufgeschwindigkeit (d. h. die Geschwindigkeit, mit der es seine Besitzer wechselt) auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gesunken. Zwar kann dies teilweise auf die wirtschaftliche Flaute zurückgeführt werden, aber das erklärt noch nicht alles. Die bisher unerreichte Kreditverknappung von 2008 führte zu einer merklichen Veränderung des Verbraucherverhaltens, und die bisher berüchtigt ausgabefreudigen US-Haushalte sparen jetzt weitaus mehr als sie entleihen. Einfach gesagt: Die Amerikaner sparen jetzt lieber, statt sich zu verschulden.
Es verwundert daher nicht, dass das in das System gepumpte Geld zu einem weit geringeren Endbetrag und einem langsameren Geldumlauf führt, als dies normalerweise der Fall wäre. Damit es aber im genannten partiellen Reservebankensystem zu einer Vervielfachung des Einlagevolumens kommt, müssen die Verbraucher bereit sein, Kredite aufzunehmen. Insgesamt bedeutet das, dass trotz der durch die Fed „künstlich“ geschaffenen Liquidität eine katastrophale Inflationsperiode unwahrscheinlich ist, denn die Übertragungsmechanismen der Geldpolitik funktionieren nicht so, wie sie sollten. Je offenkundiger diese Entwicklung wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Gold seinen Reiz als Inflationsabsicherung verliert.
Die Kursbewegungen seit dem Ende des ersten Quartals zeigten, dass Gold die Rolle eines Absicherungsaktivums übernimmt, wobei der Spot eine starke Umkehrrelation zum S&P 500 Aktienindex als Richtwert aufwies.
Während das schwärende Fiasko der EU-Verschuldung und ihre ominösen Implikationen für die Erholung der Weltwirtschaft nahelegen, dass eine weitere Risikoabneigung in der näheren Zukunft wahrscheinlich ist, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Markt die Auswirkungen der Krise in seinen Kursen reflektiert und seine Fähigkeit verliert, Anlegern einen bedeutsamen Schock zu versetzen. Insgesamt ist daher anzunehmen, dass Gold kurzfristig steigen wird, aber auch, dass diese Zuwächse im Wesentlichen beschränkt sind und zu einem weiteren Stolperstein werden könnten, der die Erholung der Märkte wieder zunichte zu machen droht.
Ilya Spivak, Währungsstratege Sumit Roy, DailyFX Research
TECHNISCHE PROGNOSE FÜR DIE NÄCHSTEN 6 MONATE – GOLD
Unser Ansatz zur technischen Analyse ist zwar überwiegend klassisch geprägt, doch integrieren wir auch andere Formen der Analyse, um eine längerfristige Prognose bieten zu können. In dieser Analyse werden wir anhand der Elliot-Wellen-Analyse die Richtung bestätigen, in die sich die Goldpreise in den nächsten Monaten entwickeln werden.
Es würde uns letzten Endes nicht allzu sehr überraschen, wenn der Goldpreis zum Jahresende nahe bei den heutigen Kursen von 1200 USD liegen würde. Was wird aber zwischen heute und dem Jahresende passieren? Wir sehen folgendes Szenario voraus. Derzeit bleibt der Markt auf einen sehr genau definierten, mehrjährigen Hausse-Trend beschränkt, der bisher zu Rekordpreisen um die 1200 USD geführt hat. Mittelfristig wird sich der höhere Tiefstand von 1045 USD (Tiefststand 2010) nicht bewegen, und wir gehen davon aus, dass dieser höher angesiedelte Tiefstand bei einem Durchbruch in der näheren Zukunft zu neuen Rekordpreisen von 1250 USD und darüber bestätigt wird. Dies müsste eine maßvolle Kursbewegung nach oben in den Bereich von 1350 USD eröffnen, bevor der Markt schließlich einen bedeutsameren und längerfristigen Spitzenwert erreicht.
Die klassische technische Analyse legt nahe, dass Bewegungen in Richtung 1350 USD zu einigen überdehnten Werten führen, die vor einer dringend notwendigen Korrektur nach unten warnen, während die Elliot-Wellen-Analyse dies zu bestätigen scheint. Seit dem Tiefststand von 680 USD 2008 befindet sich der Markt in einem Aufwärtstrend, der sich augenscheinlich im Endstadium einer 5-Wellen-Sequenz befindet. Mit dem Tiefstwert, der Anfang des Jahres bei 1045 USD lag, wurde die 4. Welle der Sequenz abgeschlossen; wir behaupten nun, dass der Markt jetzt die 5. und letzte Welle begonnen hat, bevor ein größerer, mittelfristiger Rückgang und eine Trendwende eintreten.
Betrachtet man die Wellensequenz als Ganzes, so muss die 3. Welle die größte der 5 Wellen sein; das würde bestätigen, dass zusätzlicher Kursspielraum nach oben nicht viel weiter als unser prognostizierter Höchstwert von 1350 USD gehen kann, wenn wir uns denn tatsächlich in der 5. Welle befinden.
Man kann also von Kursbewegungen im Juli, August und September ausgehen, bevor der Markt endlich seinen Höhepunkt erreicht, und dann zum Jahresende hin gegen 1000 USD tendiert. Grundsätzlich sind wir der Auffassung, dass sich dies im dritten Quartal in mehr Risikoabneigung und Flucht in Absicherungskäufe niederschlägt, bevor der Appetit auf Risiko im letzten Quartal 2010 endlich wieder zunimmt.
Joel Kruger, Technischer Währungsstratege
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