Sechsmonatsprognose für Rohöl von globalen Unwägbarkeiten bestimmt - Gastprognose von FXCM
Donnerstag, 22. Juli 2010 18:33:00
Sechsmonatsprognose für Rohöl von globalen Unwägbarkeiten bestimmt
Dienstag, 22. Juni 2010 14:59 GMT | Verfasser: David Song und Michael Wright
Die Preise für Rohöl legten an der Schwelle des zweiten Halbjahres wieder zu, angetrieben von einem schwachen US-Dollar und der Erholung der Weltwirtschaft; der Anstieg der weltweiten Wirtschaftsaktivität kann denn auch die Energiekosten im Lauf der nächsten Monate in die Höhe treiben, wenn die Erholung an Tempo zulegt. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass die Weltwirtschaft stärker als ursprünglich angenommen expandieren wird, und revidierte seine Schätzungen für das BIP 2010 im April auf annualisierte 4,25 %, nachdem zuvor 3,25 % erwartet worden waren; Grund dafür ist ein Zuwachs von 6,3 % in Schwellen- und Entwicklungsländern, während die fortgeschrittenen Wirtschaftsnationen mit voraussichtlich 2,3 % zum globalen Wachstum beitragen werden. Die europäische Schuldenkrise hat jedoch den Prognosen für künftiges Wachstum einen deutlichen Dämpfer versetzt, da sich Regierungen in aller Welt darum bemühen, ihren Staatshaushalt unter Kontrolle zu bringen. Eine Straffung der Fiskalpolitik könnte jedoch zu einer langwierigen Erholungsphase führen, während Regierungen in aller Welt versuchen, die Wirtschaft von ihren Stützprogrammen zu entwöhnen. Infolgedessen unterstrich die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), die für rund 40 % des weltweiten Ausstoßes verantwortlich ist, die Risiken einer schleppenden Erholung. Sie sagte, dass die Produktion angesichts der künftigen Nachfrage um rund 70.000 Barrel pro Tag gedrosselt werden müsse, da das Angebot außerhalb der 12 Mitgliedstaaten schneller anstiege als erwartet. Die Gruppe betonte in ihrem Monatsbericht außerdem, dass „die Eckdaten des Ölmarkts nach wie vor vom anhaltenden Angebotsüberhang beeinträchtigt“ werden.
Werden Schwellenländer in der Lage sein, die Flaute der Industrienationen wettzumachen?
Nach Auffassung des IWF führen die aufstrebenden Volkswirtschaften die globale Erholung an, und so könnte die rasche Expansion in den Entwicklungsländern gewiss einen Ausgleich zum flauen Wachstum in wichtigen Industrienationen schaffen, denn Haushalte wie Unternehmen in diesen Regionen steigern ihren Verbrauch. Die Wirtschaftsaktivität in China nahm 2010 beträchtlich zu, verzeichnete das erste Quartal doch eine Wachstumsrate von 11,9 %, was denn auch das schnellste Wachstumstempo seit fast drei Jahren darstellte; die Gruppe geht davon aus, dass die Länder Asiens in den nächsten fünf Jahren durch die Stärkung ihres Privatsektors rund ein Drittel des globalen Wachstums bestreiten werden. Politiker in China streben jedoch eine nachhaltige Erholung an und wollen eine Vermögensblase vermeiden, die durch den raschen Anstieg bei den Wohnungspreisen ausgelöst werden könnte; die Regierung wird deshalb möglicherweise in Zukunft die Geld- und Fiskalpolitik straffen, was wiederum den Wachstumsanstieg drosseln und den Konsum dämpfen könnte. Infolgedessen geht die OPEC davon aus, dass die deutliche Expansion in China in der zweiten Hälfte von 2010 zurückgehen wird, und die Gruppe wird eventuell die Produktion in den kommenden Monaten zurückfahren, um ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage herzustellen.
Wird OPEC das Angebot 2010 drosseln?
Die Organisation Erdöl exportierender Länder schlug in ihrem Ölmarktbericht vom Juni einen verhaltenen Ton an, geht sie doch davon aus, dass die Nachfrage aus den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der zweiten Jahreshälfte negativ bleiben wird. Die Gruppe stützt sich demnach ausschließlich auf Verkäufe außerhalb der 31 Länder bei ihrer Prognose, dass die weltweite Nachfrage 2010 um 0,95 Mio. Barrel/Tag expandieren werde, was keine Veränderung gegenüber dem Vormonat aufweist. Gleichzeitig erhöhte die Gruppe ihre Prognose für die künftige Produktion und geht dieses Jahr von einem Anstieg des Ausstoßes außerhalb ihrer 12 Mitglieder um 0,64 Mio. Barrel/Tag aus, was eine Korrektur nach oben um 0,11 Mio. Barrel/Tag gegenüber dem letzten Report bedeutet. Nach Aussagen der Gruppe lässt der Nettoeffekt „keinen Spielraum für zusätzliches Rohölangebot auf dem Markt“, da die Ölpreise auf ihrem Niveau gehalten werden sollen. Demnach, so die Gruppe weiter, werden die von der OPEC geforderten Produktionsquoten nach dem Rückgang der letzten beiden Jahre womöglich um annualisierte 175.000 Barrel/Tag fallen; die Organisation wird die Produktion in den kommenden Monaten eventuell drosseln, wenn sie Risiken für eine schleppende Erholung in der Weltwirtschaft sieht. Des Weiteren könnte die anhaltende Schwäche des amerikanischen Arbeitsmarkts die Aussichten auf künftige Nachfrage schmälern, da die weltgrößte Volkswirtschaft nach wie vor der größte Verbraucher von Erdöl ist. Die OPEC wird vielleicht in den kommenden Monaten eine Obergrenze für die Produktion festlegen, da die Aussichten auf künftige Nachfrage weiterhin mit Unsicherheit behaftet sind.
Der US-Dollar ist der Faktor X.
Als globale Handelswährung nimmt der US-Dollar mit seiner Wertentwicklung unweigerlich Einfluss auf die Ölpreise der Zukunft, und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise könnten die Rohstoffpreise drücken, da der Greenback von seinem Status als Absicherungswährung profitiert. Mit der zunehmenden Erholung in Nordamerika wird die Federal Reserve jedoch ihre Einschätzung der Wirtschaft revidieren und Spielraum für eine Normalisierung der Geldpolitik in der zweiten Hälfte von 2010 sehen; dadurch käme es zu einer Entkopplung der engen Korrelation zwischen US-Dollar und Risikoempfinden, da Anleger in den kommenden Monaten auf eine Anhebung des Leitzinses von derzeit Null durch die Zentralbank spekulieren. Demnach werden grundlegende Entwicklungen und Zinserwartungen eine größere Rolle bei der Preisentwicklung spielen, und der Dollar wird stärker auf die Veränderungen in der Konjunkturlandschaft reagieren, während Investoren die Aussichten auf künftiges Wachstum abwägen.
David Song, Währungsanalyst
Nach der Bildung des dreifachen Bodens Ende 2008/Anfang 2009, als Preise auf einen Tiefststand von 32 USD/Barrel sanken, stieg Rohöl wieder auf einen Level von rund 76 USD/Barrel. Angesichts der jüngsten technischen Entwicklungen sind wir jedoch der Ansicht, dass die Preise in den kommenden Monaten nach unten tendieren werden. Wir haben uns für einen klassischen, technischen Analyseansatz entschieden und konzentrieren uns auf gleitende Durchschnittswerte, da Händler damit im Rahmen des Gesamttrends bleiben. Gleichzeitig verwendeten wir diese Durchschnittswerte zusammen mit anderen technischen Entwicklungen, um eine präzise Prognose zu erstellen. Anfang Mai rutschten die Preise für Rohöl unter den einfachen gleitenden 200-Tages-Durchschnitt (SMA – simple moving average), was als Anzeichen für einen starken Abwärtstrend zu deuten ist. Es ist jedoch auch bemerkenswert, dass die Preise vor kurzem über diesen gleitenden Durchschnitt stiegen, aber vom 50-Tage SMA eingeschränkt wurden. Es ist zudem erwähnenswert, dass der 50-Tage-SMA unlängst unter den 100-Tage-SMA rutschte, wobei der kürzere gleitende Durchschnitt wohl bald unter den 200-Tage-Durchschnitt sinken wird. Die Entwicklung des letzteren Signals ist allgemein als Kreuz des Todes bekannt und kündigt eine Baisse an. Unterdessen sank Rohöl vor kurzem unter eine steigende Trendlinie, die es seit Ende September 2009 gehalten hatte; damit erhielten wir ein weiteres Signal, dass der Markt in den kommenden Monaten eine Abkehr von seiner Hausse vollziehen wird. Insgesamt wird Rohöl sinken, die Preise werden bis zum September 72 USD/Barrel für Stützung testen, bevor sie weiter abrutschen und den Jahrestiefststand erreichen werden.
Michael Wright, Währungsanalyst
FXCM Research
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