Spread Trading und Saisonalität!

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Sonntag, 23. August 2009 12:31:00

Die wahre Stärke des Spread Trading kommt immer dann zum Tragen, wenn der Faktor der Saisonalität mit beachtet wird. Da wir mit den verschiedenen Kontraktmonaten bei den Rohstoff-Futures auch die verschiedenen Stufen eines Erntezyklus abbilden, ist es sehr wichtig zu wissen, welche Kontrakte zu der alten Ernte und welche Kontrakte schon zu der zukünftigen Ernte zählen.

Die folgende Tabelle soll dies verdeutlichen:

Sehen wir uns den Soybean Futures an. Die neue Ernte für dieses Jahr beginnt mit dem September Kontrakt 2009 und hat volle Gültigkeit bis zum Juli 2010. Dies beinhaltetet den kompletten Zyklus bei den Soybeans – von der Aussaat – dem Wachstum – der Ernte bis hin zur Lagerung.

Große Preisunsicherheiten treten sehr oft an den Schnittstellen von alter zur neuen Ernte auf. Wenn die alte Ernte schon im Lager sich befindet und die neue Ernte noch auf dem Feld, gibt es keine 100 prozentigen Vorhersagen, wie sich der zukünftige Preis entwickelt.

Aktuell haben wir gerade in den Soybeans eine sehr angespannte Lage, welche zu einer sogenannten Backwardation führte. Dies bedeutet, dass die Käufer bereit sind, alles jetzt zu kaufen und nicht warten wollen/können auf zukünftige Lieferungen. Dies treibt den Preis im Frontmonat nach oben, die hinteren Monate dagegen liegen unterhalb des Frontmonats. Die folgende Grafik zeigt die aktuelle Situation bei den Soybeans!

Erfahrene Rohstoffhändler kennen dieses zeitliche – saisonale Phänomen, welches mit einer sehr hohen Konstanz in verschiedenen Märkten auftritt.

Gerade durch das Spread Trading kann man diesen Effekt risikofreier für sich ausnutzen. Ich möchte heute einige Spread Trading Positionen aus dem Monat August etwas näher aus dem Blickwinkel der Saisonalität zeigen.

Im ersten Chart ist der Spread zwischen den Lean Hogs Februar 2010 und den Live Cattle Februar 2010 dargestellt.

Die rot-gepunktete Linie ist die Saisonalität der letzten drei Jahre und die grünen Pfeile zeigen den Verlauf des Spreads an. Sie sehen einen engen Zusammenhang für dieses Spread. Der rote Pfeil zeigt nun den zukünftigen Verlauf an, welche lang genug ist, um dort eine Position aufzubauen.

Der nächste Chart ist auch wieder eine Spread Position aus den Fleischmärkten. Nur diesmal sind es die Lean Hogs unter sich.

Auch hier erkennen wir, wie der Spread sich in Richtung der Saisonalität bewegt. Da wir im Spread Trading nur dann Gewinne aufbauen können, wenn der Spread sich von unten links nach oben rechts bewegt, geben die grünen Pfeile die besten Einstiege an.

Doch nicht immer ist das Spread Trading ein Wunschkonzert. Der folgende Chart – ebenfalls eine Spread Position aus dem August - zeigt die Gefahr auf, wenn man sich zu 100 Prozent auf die Vorgaben der Saisonalität verlässt.

Weizen Dezember gegen Corn Dezember

Ab Ende Juni zeigt die Saisonalität bis zum Oktober klar nach oben und der Spread begann auch sich in diese Richtung zu entwickeln. Doch knapp einen Monat später fällt dieser Spread wie ein Stein in die Tiefe. Was war passiert?

Die Idee dieses Spreads ist, dass sich der Weizen schneller nach oben entwickelt als der Mais oder langsamer nach unten fällt als Mais.

Dies funktionierte über die letzten 20 Jahren mehr als gut, doch dieses mal traten zwei Sondereffekte mit auf:

  1. Rekordernten weltweit und
  2. eine stark fallende Exportnachfrage nach Weizen

Der Weizen ist also klar im Abwärtstrend und macht diese Bewegung schneller als Mais. Im Spread-Chart sehen wir das Ergebnis – er geht ins Minus!

Zusammenfassung:

Es ist wichtig, die Saisonalität zu beachten und Positionen wenn es geht, nur in diese Richtung aufzubauen. Ausnahmen sind sehr selten und auf der einen Seite Fundamental oder technisch Begründet. Gerade als Einsteiger ist es aber nicht ratsam, gegen die Saisonalität zu handeln.

Handeln Sie nie ohne Risiko Management – egal wie oft der Spread in den letzten Jahren ins Plus lief und eine Trefferquote von mehr als 97 Prozent aufweist. Denn die aktuelle Situation ist neu und so noch nie in der Vergangenheit aufgetreten – sie war halt nur so ähnlich – nicht mehr.

Viel Erfolg!

Mike C. Kock

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Mike C. Kock ist als Experte bei brainGuide aufgenommen